Antibiotika und Chemotherapeutika - Ein Repetitorium

Ein Überblick zum Nachlesen, Lernen und Wiederholen.

Ziel der Behandlung
Wünschenswerte Eigenschaften
Wirkungsweise
Angriffsmöglichkeiten

Nebenwirkungen
Bakterienresistenzen
Wichtige Antibiotikaklassen
Therapievorschläge bei den häufigsten Erregern

Ziel der Behandlung : Bekämpfung der Infektion!

  • Antibiotika: natürlich vorkommende Stoffe aus Pilzen und Bakterien
  • Chemotherapeutika: synthetische Stoffe

Entdeckung der Antibiotikawirkung 1928 durch Fleming (England)
Zufall: mit Pilz (Penicillim notatum) verunreinigte bakterienkultur zeigte Wachstumshemmung.
Vor der Entdeckung der Antibiotika gab es kaum Möglichkeiten, bakterielle Infektionen zu bekämpfen.
Heute sind die meisten der früher oft tödlich verlaufenden Erkrankungen zu therapieren.
z.B. Scharlach, Diphterie, Keuchhusten, Sepsis, Meningitis

 

Wünschenswerte eigenschaften:

  • schnelle Wirksamkeit
  • geuielt gegen den Erreger
  • keine Schädigung des erkrankten Organismus( keine Nebenwirkungen)
  • schnelle Resorption und Verteilung
  • orale Anwendung möglich (ambulante Patienten, banale Infekte)
  • gute Penetration an den Ort der Infektion (Gewebe, Knochen, Liquor)
  • keine Resistenzentwicklung
  • keine Metabolisierung zu toxischen Produkten

 

Wirkungsweise:

  1. bakteriostatisch : reversible Hemmung der Bakterienvermehrung (Teilung)
    entgültige Eliminierung erfolgt durch die körpereigene unspezifische Immunabwehr.
    d.h. keine bakteriostatischen Antibiotika bei abwehrgeschwächten Patienten oder schwersten Erkrankungen (Sepsis,Endokarditis)
  2. bakterizid : irreversible Schädigung der Bakterien und Abtötung.

MIC/MHK: minimale Hemmkonzentration
Konzentration, die ausreicht, um in vitro das Wachstum aller Bakterien zu hemmen
MBK: minimale bakterizide Hemmkonzentration
nach 24h sind alle Keime abgestorben

 

Angriffsmöglichkeiten:

  • Eingriffe in den Stoffwechsel der Bakterien z.B. Einbau fehlerhafter Bausteine
    (Folsäurestoffwechsel, Sulfonamide)
  • Störung der Mureinsythese – Lyse der Bakterien (beta-lactam-Antibiotika)
  • Störung der Proteinbiosythese
  • Störung der DNA-Replikation (Gyrasehemmer)

 

Nebenwirkungen:

  1. toxische Wirkung auf das Gewebe
    (durch Kummulation, geringe Elimination)
  2. allergische Reaktionen (Penicilline)
  3. biol. Nebenwirkungen : Störung der körpereigenen Flora oder Änderungen der
    Keimzusammensetzung (Enterokokken selektion bei Cephalosporingabe, pseudomembranöse Colitis nach ClindamycinTherapie durch Überwucherung von Clostridium difficile)

 

Bakterienresistenzen

Mechanismen

  1. Produktion inaktivierender Enzyme, z. B. Penicillinase (Beta-Lactamase)
    Cephalosporinase, Aminoglykosidasen.
  2. Resistente Zielmoleküle
  3. Permeabilitätsbarriere ( kein Durchtritt des Antibiotikums durch die
    Bakterienwand.
  4. Aktiver Efflux : Ausschleusen des Antibiotikums aus der Zelle (z.B. bei Tetrazyklinen)

 

Entstehung von resistenten Keimen

  1. natürliche Resistenz, d.h. Substanz wirkt gegen diese Bakterienart gar nicht.
  2. erworbene Resistenz : eigentlich empfindliche Stämme erwerben die Resistenz durch Änderung des Erbgutes.
    a) durch Mutation entstehen R-Gene, die die obengenannten Mechanismen in Gang setzen.
    b) horizontaler Transfer bei Transformation und Konjugation

Selektion:

Entstehen resistenter Stämme durch häufige und ungezielte Antibiotikagabe
(Krankenhauskeime, nosokomiale Infektionen)

Problemkeime :

multiresistente Keime, z.B. Pseudomonaden, MRSA (Methicillin resistenter Staph. aureus), MRSE (Methicillin resistenter Staph. epidermidis)

 

Methoden der Resistenzprüfung: (Antibiogramm)

  • Agardiffusionstest:
    Nähragar wird mit Keimsuspension beimpft und die Antibiotika-beschichteten
    Plättchen werden aufgelegt. Nach 24 h Inkubation können die Hemmhöfe abgelesen
    werden.
  • Reihenverdünnungstest:
    geometrische Verdünnungsreihe der Antibiotika in Flüssigmedien.
    Trübung bedeutet Wachstum und damit Resistenz.
    Minimale Hemmkonzentration (mg/l) ist die Konzentration, die gerade noch das Wachstum hemmt

Wichtige Antibiotikaklassen
Die angegebenen Handelsnamen sollen nur Vorschläge sein. Ausserdem sind dies deutsche Präparate, sodass es vorkommen kann ,daß es dieses in Österreich einen anderen Namen hat.

1. Penicilline und Derivate
2. Cephalosporine
3. Andere ß-Lactam Antibiotika
4.Makrolide
5. Tetrazykline
6. Lincosamine
7. Sulfonamide
8. Aminoglycoside
9. 4-Chinilone (Gyrasehemmer)
10. Nitroimidazole
11. Glycopeptide
12. Chloramphenicol
13. Neue Antibiotikeentwicklungen

1. Penicilline und Derivate:

Penicillin G (z.B.: Penicillin G i.v.)
Penicillin V (oral) (z.B.: Isocillin)
Amoxycillin (z.B.: Amoxypen)
Ampicillin (z.B.: Binotal)
Azlocillin (z.B.: Securopen)
Mezlocillin (z.B.: Baypen)
Piperacillin (z.B.: Pipril)
Oxacillin (z.B.: Stapenor)
Flucloxacillin (z.B.: Staphylex)
Amoxycillin/Clavulansäure (z.B.: Augmentin)

Gute Wirksamkeit gegen Streptokokken, Pneumokokken, Clostridien, gram-negative Bakterien weitgehend resistent.

Substanz
ß-Lacta.stabil
Streptok.
Staphylok.
Gram neg. Stäbe
Penicillin G
nein
+++
(+)
-
Ampicillin
nein
+++
+
(+)
Mezlocillin
nein
+++
-
++
Piperacillin
nein
+++
+
++
Flucloxacillin
ja
+++
+++
-
Amoxycillin/
Clavulansre.
ja
+++
++
+++

2. Cephalosporine:

  1. Generation:
    Cephazolin (z.B.: Gramaxin) stabil gegen Penicilinasen,aber nicht Cephalosporinasen
  2. Generation
    Cefuroxim (z.B.: Zinacef)
    Cefotiam (z.B.: Spicef)
    Cefoxitin (z.B.: Mefoxitin) stabil gegen Penicilinasen,aber nicht Cephalosporinasen
  3. Generation
    Cefotaxim (z.B.: Claforan)
    Ceftriaxon (z.B.: Rocephin)
    Ceftazidim (z.B.: Fortum) stabil gegen Penic. Und Cephal.

Orale Cefalosporine:

  • Cefaclor (1.G.) (z.B.: Panoral)
  • Cefuroxim/Axetil (2.G.) (z.B.: Zinnat)
  • Cefpodoxim (3.G.) (z.B.: Orelox)
  • Cefixim (z.B.: Cephoral)

Staphylokokkenwirksamkeit nimmt von oben nach unten ab
Wirksamkeit gegen gram-negative Erreger nimmt zu

für Kinder und in der SS zugelassen.

3. Andere ß-Lactam Antibiotika

  • Imipenem (z.B.: Zienam)
  • Meropenem (z.B.: Meronem)

Wirkt gegen:
Enterobakterien, Staphylokokken, Streptokokken, Pseudomonas, Listerien
nicht wirksam gegen :
MRSA, Xanthomonas maltophilia

bei älteren Kindern zugelassen und bedingt in der SS

4.Makrolide

  • Erythromycin (z.B.: Pädiathrocin)
  • Azithromycin (z.B.: Zithromax)
  • Clarithromycin (z.B.: Klacid)

Wirkungsspektrum: Borrelien, Campylobacter, Legionellen, Chlamydien, Meningokokken, Branhamella, Mykoplasmen, Pneumokokken, Streptokokken, Hämophilus, Listerien

für Kinder zugelassen (Klacid u. Zithromax nicht in SS)

 

5. Tetrazykline

  • Doxycyclin (z.B.: Vibramycin)
  • Tetrazyklin (nicht mehr i.Handel)

Wirksam gegen zellwandlose Erreger (Mykoplasmen etc.), Chlamydien, Legionellen, Rickettsien, Borrelien, Brucellen, Listerien, Vibrionen

Häufig Resistenzen gegen gram-neg. Bakteien.

nicht i.d. SS und bei Kindern <9 Jahre

6. Lincosamine

  • Clindamycin (z.B.: Sobelin)
  • Rifampicin (z.B.: Rifampicin)

Wirksam gegen: Staphylokokken, Anaerobier, Mycobakterien (nur Rifampicin)
nicht wirksam gegen gram-negative Stäbe!
Clindamycin: nur gegen grampos. K. und gramneg. Anaeerobier

nicht zugelassen i.d. SS

7. Sulfonamide

  • Cotrimoxazol (z.B.: Cotrim,Eusaprim)
    Trimetoprim/Sulfamethoxazol

Wirksam gegen :
Enterobakterien, Yersinien, Vibrionen, Staphylokokken, Meningokokken, Toxoplasmen

häufig Resistenzen

nicht zugelassen i.d. SS und bei Neugeborenen

8. Aminoglycoside

  • Gentamicin (z.B.: Refobacin) gute Wirksamkeit gegen gram-neg. Keime, aber oto- und nephrotoxisch
  • Tobramycin (z.B.: Gernebcin)
  • Amikacin (z.B.: Biklin)
  • Streptomycin (Tuberkulosetherapie)
  • Neomycin (nur topisch)

Wirksam gegen:
Enterobakterien, Pseudomonas, Staphylokokken
kaum wirksam gegen:
Streptokokken

Nebenwirkungen: Oto- und nephrotoxisch

9. 4-Chinilone (Gyrasehemmer)

  • Ciprofloxacin (z.B.: Ciprobay)
  • Ofloxacin (z.B.: Tarivid)
  • Norfloxacin (z.B.: Barazan)
  • Moxifloxacin (z.B.: Avalox)

Wirksam gegen:
Enterobakterien, Pseudomonas , Staphylokokken

weniger wirksam gegen :
Streptokokken

Ofoxacin breites Spektrum, gute Gewebegängigkeit
Ciprofloxacin, Moxifloxacin auch gute Wirkung auf grampositive Kokken

 

10. Nitroimidazole

  • Metronidazol (z.B.: Clont, Flagyl)

Wirksam gegen :
Anaerobier, Gardnerella, Trichomonas, anaerobe Kokken

nicht zugelassen i.d. SS

11. Glycopeptide

  • Vancomycin (z.B: Vancomycin)
  • Teicoplanin (z.B.: Targocid)

Wirksam gegen :
Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken, Clostridien, anaerobe Kokken
nicht wirksam bei:
gram-negativen Keimen !
Vancomycin wird oral nicht resorbiert !

nicht zugelassen i.d. SS

12. Chloramphenicol

breites Spektrum, aber hoch toxisch (aplastische Anämie)

13. Neue Antibiotikeentwicklungen

  • Streptogramine: (Quinupristin/Dalfopristin) (z.B.: Synercid)
  • Oxazolidinone : Linezolid (z.B.: Zyvoxid)

Wirksam gegen:
grampositve Erreger, auch bei MRSA oder Vancomycin-resistenten Enterokokken!

nicht wirksam bei gram-negativen Erregern !
Orale Darreichungsform erhältlich (Zyvoxid)!

Therapievorschläge bei den häufigsten Erregern.

Eine Liste (Excel) mit den wichtigsten Erregern (Bakterien und Pilze) mit zugehöriger Wirkung der verschiedenen Antibiotika bzw. Antimykotika findet ihr hier.

Die angegebenen Handelsnamen sollen nur Vorschläge sein. Ausserdem sind dies deutsche Präparate, sodass es vorkommen kann ,daß es dieses in Österreich einen anderen Namen hat.

Präparate (Handelsnamen) in der Reihenfolge ihrer Wirksamkeit

Gram-positive Erreger

Staph.aureus

 

Clindamycin

(Vancomycin)

Staphylex

Mefoxitin

Gramaxin

Staph. epidermidis

 

Clindamycin

(Vancomycin)

Staphylex

Mefoxitin

Gramaxin

Streptokokken (A,B,C,G)

 

Penicillin V #

Penicillin G #

Erythromycin *

 

 

Pneumokokken

 

Penicillin G

 

 

 

 

Vergr. Streptokokken

 

Penicillin V

 

 

 

 

Enterokokken

 

Amoxypen #

Baypen #

 

 

 

 

Gram-negative Erreger

 

E.Coli

 

(Ciprobay)

(Zienam)

Gramaxin

Mefoxitin

Baypen

Eusaprim

Pipril

Klebsiella

 

(Zienam)

Claforan

Fortum

Mefoxitin

Augmentan

 

 

Enterobacter

Ciprobay

(Zienam)

 

Claforan

Baypen

Pipril

 

 

Proteus sp.

 

Claforan

Baypen

Mefoxitin

Pipril

Eusaprim

 

 

Pseudomonas >aeroginosa

Ciprobay

Fortum

Zienam

 

 

 

 

Citrobacter species

Ciprobay

Claforan

Baypen

Pipril

 

 

 

Hämophilus influenzae

Amoxypen

Claforan

Augmentan

Ciprobay

 

 

 

Bacteroides species

Penicillin G

Clindamycin

Clont

Augmentan

 

 

 

Präparate in Klammern sind Antibiotika der Reserve, die nur bei speziellen Problemkeimen angewandt werden sollen

kursiv gedruckte Präparate sind auch oder ausschließlich oral erhältlich

# bei lebensbedrohlichen Infektionen z. B. Sepsis in Kombination mit Refobacin

* als Ersatzpräparat bei Penicillinallergie

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