Erasmus in Lissabon
Michi aus dem dritten Abschnitt erzählt von seinen Erfahrungen in Lissabon im Wintersemester 2008. Was er da alles auf den Stationen erlebt hat und wie es sich inmitten der portugiesischen Mentalität lebt, erfahrt ihr hier...
Möchte allen, die sich überlegen ein ERASMUS Semester zu machen, ein paar Einblicke in mein tolles halbes Jahr in Portugal geben.
Für Ende August hab ich den Hinflug gebucht (mit Skyeurope, die da am günstigsten sind) – und hab versucht, alle administrativen Dinge (Erasmusvertrag, Stipendium, Sprachkurs) vorher zu erledigen, was mir auch in letzter Sekunde gelungen ist 
Dann ging’s los – mit einer Freundin von der MUW, die auch in Portugal ein Auslandssemester machen wollte (in Coimbra aber) hab ich die ersten 2 Wochen in Lissabon einen Intensivsprachkurs absolviert. Wir waren beide schon zwei Monate in Brasilien, drum ist’s eigentlich recht flott gegangen, dass wir uns gut mit dieser doch ziemlich schwierigen Sprache zurechtgefunden haben. Und hat auch voll Spaß gemacht – waren nur zu viert und haben viel gelernt (war eine private Sprachschule – die MUW zahlt aber 80% der Kurskosten).
Zu meiner WG (mit einem Portugiesen) bin ich über Freunde gekommen, die ich in Lissabon schon gekannt hab – viele haben mir aber erzählt, dass es nicht schwer ist, sich das auch selbst zu organisieren. Hab mich sehr wohl gefühlt dort – außerdem bin ich in 5 min zu Fuß beim Krankenhaus gewesen.
Ja – Uni fängt dort Mitte Oktober erst an – drum haben mich viele Freunde besucht, bin in ganz Portugal herumgefahren, bin äußerst viel fortgegangen (was dort echt ziemlich witzig ist – und auch billiger kommt als bei uns), und da der Bus zum Strand gleich bei mir weggefahren ist, war ich bis Mitte November sehr oft dort – gibt nichts schöneres als joggen gehen , fußballspielen, baden, sonnen, sich mit Leuten treffen am Strand – hab’s genossen. ☺
Hab auch viel mit meinen portugiesischen Freunden unternommen – und bald schon ganz ohne Probleme portugiesisch geredet.
Das hab ich mir zumindest gedacht, bis ich im Spital angefangen hab (Chirurgie 1, 2 und Notfall). Da hat’s als erstes Probleme mit meinem „ Stundenplan“ gegeben ( alles umdisponieren – schlussendlich war’s eh halb so schlimm), das Krankenhaus wurde umgebaut was zu einem ziemlichen Chaos geführt hat, und wenn wer weniger als 2 Stunden zu spät kommen ist, hat man froh sein können (südländische Mentalität halt 
An einiges gewöhnt man sich schnell (hab dann halt auch immer lang geschlafen), mit dem Chaos muss man sich halt abfinden. Dafür sind alle Professoren und Kollegen wirklich ausgesprochen lieb (was sowieso eines der ganz tollen Sachen in Portugal ist, dass die Leute einfach extrem Herzlich sind und einfach für Freunde aber auch für Fremde sich viel mehr Zeit nehmen als das in unserem eher hektischen Alltag üblich ist) . Also meine Portugiesen hab ich soooo ins Herz geschlossen – sind mir voll abgegangen, wie ich wieder zurück war – und besuchen mich auch im Sommer.
Ah, ja - Im Spital hab ich also mit 2 mal pro Woche Chirurgie I (dort Kurs des 4. Jahres) und Anästhesie (3x pro Woche – wie Famulatur) angefangen. Bei Chirurgie haben wir viel Status/ Anamnese gemacht, assistiert und immer wieder die wichtigsten Krankheiten besprochen. Alles auf Portugiesisch natürlich – auch wenn’s zu Beginn doch schwerer gefallen ist, als ich mir gedacht hab. Der Kurs ist bis Ende Jänner gegangen, und daneben eben Anästhesie 8 Wochen: Das hat mir sehr gefallen – hab viel machen dürfen und hab viel gelernt. Es ist halt meistens so, dass wenn man sich interessiert dafür, viel fragt, dann darf man sehr viel auch selbst machen und lernt viel. Zwingen tut einen keiner zu was. Auch nicht zur Anwesenheit – was sehr praktisch ist oft
Weihnachten bin ich in Lissabon geblieben, weil mich meine Schwester und mein Papa besucht haben und wir haben mit meiner Familie aus Lissabon (ja, die waren wirklich schon wie Schwestern und Eltern für mich) bei ihrem Strandhaus Weihnachten gefeiert – werd ich auch nie vergessen, so schön war das!
Silvester war riesen Party in Lissabon natürlich, und bis 7. Jänner hab ich mich auch davon wieder erholt gehabt und es ist mit Chirurgie I und jetzt neu mit Chirurgie II (3x/ Woche) weitergegangen. Eigentlich, so bin ich nachher draufgekommen, wäre es einfach auch gegangen, dass ich die 3 Fächer je 4 Wochen (man muss ja nur 80% machen von dem, wies in Wien ist) „abfamuliert“ hätte.
Aja, nebenbei bietet di Uni 2x/ Woche portugiesisch Kurse an wo ich auch immer hin bin – und Kurs begleitend zu Alltag in Portugiesisch, das bringt gleich noch mal viel mehr.
Bei Chirurgie 2 war ich auf der Kinderorthopädie mit so einer lieben Ärztin – also da hat’s mir noch mal richtig Spaß gemacht – die hat so viel erklärt, bei den OP’s hab ich äußerst viel machen dürfen und viele Krankheitsbilder hab ich dort zum ersten mal gesehen – weil viele Kinder aus den ehemaligen afrikanischen Kolonien sich in Portugal operieren lassen. Wahnsinnig interessant.
Allgemein hab ich vom lernen her nicht so viel weitergebracht – hab ja nur praktische Prüfungen gehabt, und bei ERASMUS sind eben andere Dinge viel viel wichtiger und Wien und die SIP viel zu weit weg, um dran zu denken 
Im Krankenhaus ist’s halt wirklich so, dass dauernd Eigeninitiative gefragt war, und ich teilweise doch lieber früher gegangen bin und weniger initiativ war – weil ich in Lissabon meine Freiheit, die ganzen Feste, die dauernd waren und die Zeit mit den anderen Erasmusleuten aus ganz Europa doch ziemlich ausgekostet hab.
Mit Heimweh und so bin ganz gut klargekommen – hat jeder seine Tage gehabt, wo man einfach nur heim wollte und wo es einem schlecht ging – aber das war immer schnell vorbei bei mir, und gehört halt auch irgendwie dazu.
Aja: das gute Essen darf man auch nicht vergessen – viel Süßes, Fisch und Meeresfrüchte und natürlich der köstliche Portwein dazu!
Das Wetter war fast ununterbrochen sonnig und warm bis Anfang November, dann leider oft regnerisch…
Gäbe noch so viel zu berichten – möchte nur noch sagen, dass es ein riesiges, spannendes Abenteuer war – und eine der bereichernsten Erfahrungen, die ein Junger Mensch wohl machen kann. Man glaubt, man ist halt 6 Monate woanders – aber so ganz klein und allein sich seine sozialen Strukturen aufzubauen, Freunde werden mit so vielen neuen Leuten, sich mit einer Fremden Kultur und Sprache zurecht zu finden und das alles schön langsam lieben zu lernen – das ist wirklich großartig.
Also – wer noch fragen hat, kann mir gerne mailen (michaelschober[et]gmx.net) – mir haben alle so weitergeholfen immer dort – vielleicht kann ich ja auch dem einen oder anderen mit ein paar Tipps unterstützen!
Beijinhos, Michi
Michael Schober
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