Duale Reihe: Anatomie
Die Duale Reihe: Anatomie sieht man nicht allzu oft auf den Gängen der Anatomie. Ist dies gerechtfertigt oder wird das Buch nur unterschätzt? Die neue zweite Auflage im Test.
Prolog
Alle Jahre kommt sie wieder, die Frage nach dem richtigen Anatomiebuch. Oft wird dieses am Studienanfang basierend auf Tipps von Bekannten oder der Buchhandlung gekauft. Der Inhalt kann jedoch leider erst später, nach Anfang des Sezierkurses, bewertet werden.
In der Regel sind Anatomiebücher dick und teuer - jedes setzt jedoch völlig unterschiedliche Schwerpunkte. Zusammenfassend: Es gibt nicht das "beste" Anatomie-Buch. Was es jedoch zu vermeiden gilt, ist die voreilige Wahl des richtigen Buches. Wir empfehlen, mal in Ruhe jedes der Werke im Fachhandel oder in der Bibliothek anzuschauen und wenn möglich, auch ein bisschen versuchen zu lernen. Dann merkt man relativ rasch, ob es einem liegt oder nicht.
Ist es eher textlastig wie Waldeyer und Platzer, dominieren schöne Bilder wie im Sobotta bzw. Prometheus oder gleicht es gar einem Lexikon wie der Feneis? Immer wieder erspäht man auch einen Lippert, der trotz aller Kritik auch seine Stärken hat.
Eines ist klar: das MCW, insbesondere Organmorphologie I – III, geben den Waldeyer als Standardwerk an. Ich persönlich konnte mich jedoch nie so richtig mit ihm anfreunden – zu wenig „funktionell“ und zu sehr nur aufs Sezieren zugeschnitten.
Das Werk
Rein vom Gewicht reiht sich die Duale Reihe: Anatomie in die Reihe der „großen Anatomiebücher ein“ – in den heiligen Hallen des Instituts für Anatomie hat er sich jedoch noch nicht durchgesetzt. Was beim ersten Anblick auffällt, ist der fehlende Hardcover-Einband. Der aktuelle Einband ist zwar schön designed, wirkt aber minderwertig. Aber das sollte nun wirklich nicht den Ausschlag geben.
Geworben wird mit Anatomie zum Verstehen, Lernen, Anwenden - der optimalen Verknüpfung von funktionellen und topographischen Aspekten. Das integrierte Kurzlehrbuch soll als Repetitorium dienen und Fallbeispiele zu häufigen Krankheitsbildern unter anatomischen Gesichtspunkten den Bezug zur Praxis herstellen.
Die Umsetzung gefällt sehr gut. Weniger textlastig als ein Waldeyer, weniger kompliziert geschrieben. Die Struktur des Buchs ähnelt der des meiner Ansicht in dieser Hinsicht sehr guten Lipperts. Soll heißen, es ist übersichtlich gestaltet und modern "gelayoutet". Exzellente Prometheus-Grafiken und klinische Abbildungen von Krankheitsbildern und Untersuchungsmethoden sind plastisch und gut für das nähere Verständnis. Primär ist es in vier Abschnitte, nämlich „Allgemeine Anatomie“, „Bewegungsystem“, „Brust- Bauch- und Beckensitus“ und „Hals, Kopf, ZNS und Sinnesorgane“ eingeteilt.
Weniger gefällt das Kurzlehrbuch, dessen Sinn mir sich nicht ganz erschießt, da eigentlich nur stichwortartig die im Fließtext hervorgehobenen Begriffe aufgelistet werden. Außerdem könnte jemandem mit einem sehr detailverliebtem Professor nervös bei der ein oder anderen Frage werden, da gerade im Bereich der Blutgefäße und Nerven nicht immer jedem Abgang eines Klein- und Kleinstgefäßes eine genaue Beschreibung hinzugefügt ist, wohin es nach so und so vielen Zentimetern abgeht.
Bei vielen Arterien und Venen werden hier nur unzureichend deren genauer Verlauf und deren abgegebene Äste beschrieben, was aber gerade im Seziersaal von großer Bedeutung wäre.
Ich finde jedoch die zusammenhängende, strukturierte Aufbereitung von Wissen wichtiger als Minidetails, bei denen man nach Stunden an der Leiche sowieso draufkommt, dass diese mehr Ausnahme als Regel sind.
Weniger leicht zu verzeihen sind die leichten Schwächen im eigentlich durch und durch guten Kapitel der Muskellehre. Die teilweise ungenau beschriebenen Ursprünge und Ansätze vieler Muskeln stören. Hier sind häufig nur die Knochen aufgezählt, nicht aber die genaue Struktur (hier sind die Sobotta Lernkarten eindeutig fundierter).
Fazit
Ich finde, zum systematischen Anatomielernen und -verstehen ein wirklich tolles Buch mit einigen Schwächen im Detail, die eigentlich nur für den Sezierkurs mit pingeligem Professor relevant sein dürften. Hier ist ja auch der Weg ins Internet nicht weit.
Die klinischen Tipps sind meistens wirklich hilfreich. Ein großes Plus sind die wirklich toll illustrierten Grafiken und Tabellen. Eine beliegende DVD mit Präparierkurs-Lernprogramm zeigt relevante Strukturen an der Leiche und ist abgesehen von den Bildern in eher geringer Auflösung vielleicht den ein oder anderen Anblick wert!
Bibliographie
Georg-Thieme-Verlag, Stuttgart 2010
2. überarbeitete Auflage (kartoniert)
1218 Seiten, 1822 Abbildungen, 208 Tabellen
EUR [D] 64,95 [A] 66,80
ISBN 978-3-13-136042-7
MS
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Kommentare
Eine Frage: Hat jemand die CD schon genauer begutachtet? Kann man davon in Organmorpho profitieren?
Hab mir nun auch die 2.Auflage ausgeborgt und bin schwer begeistert. Besonders gefällt mir, dass auf die klinische Relevanz hingewiesen wird.
Forum Moderator
Ich hatte bei dem Bericht Screenshots angedacht, aber die konnte ich aus Copyright Gründen nicht uploaden. Ich persönlich finde die nett, aber viel zu ungenau für OM! zum ungefähren orientieren am Anfang reichts vllt. Aber zu mehr auch nicht ... bei der Auflösung von 640x480 und den Strukturen, wo es ausschaut, als wären sie in Paint markiert geworden!
21 ist nur die halbe Wahrheit.
Heißer Tipp: Google - "******** site:www.medizinstudium.at"
ich lerne schon seit beginn des studiums nach diesem lehrbuch, nachdem ich den lippert frustriert beiseite gelegt habe. bisher habe ich keine defizite bezüglich den ursprüngen und ansätzen der muskel entdeckt - auch im seziersaal war mein wissensstand dazu nicht geringer als der meiner kollegen. ich kann es nur weiterempfehlen, toll geschrieben und aufgebaut, und top abbildungen zum text
schwächen: - mir ist keine aufgefallen im vergleich zum lippert