[Innsbruck] alea iacta est - Die tote Sprache kehrt zurück

Kommentar - Es war keine gute Nachricht, die Vizerektor Dr. Mutz kurz vor Weihnachten an rund 150 Studierende des ersten Studienabschnitts verschicken musste. Er kündigte den Stopp der Vorlesung Medizinische Terminologie an, und damit einhergehend, auch die aufgelassene Prüfung. 

(Bild: wikimedia - commons)

Gedacht war sie als sinnvoller Ersatz der Lateinergänzungsprüfung, welche für manche verpflichtend bis zum Abschluss des ersten Studienabschnitts abgelegt werden muss und damit eine Voraussetzung für die SIP1 für all jene ist, welche kein, oder nicht genügend Latein an der Schule hatten.

Aufgrund von juristischen und finanziellen Problemen, sah sich die Universität gezwungen, eine der sinnvollsten Veranstaltungen an der MUI zu streichen. Dominieren dürften in diesem speziellen Fall wohl die ominösen juristischen Probleme, denn selbst das Angebot von Prof. Maurer, welcher die Vorlesung bis zum heutigen Tag abgehalten hat, seine Arbeit für das kommende Sommersemester kostenlos weiterzuführen, hat nicht geholfen: Es scheint keine medizinische Terminologie mehr im Stundenplan für das Sommersemester 2012 auf.

Was diese juristischen Probleme sein könnten, darüber kann man nur spekulieren. Tatsache ist, dass die Prüfung, genauso wie dieselbe an der MUW, nicht den Richtlinien und Vorschriften einer Ergänzungsprüfung laut Universitätsgesetz entspricht und damit juristisch durchaus angreifbar ist. Trotzdem bleibt die Frage offen, wer dieses Problem überhaupt verursacht hat.

Die MUI ist nicht verpflichtet einen Kurs zur Lateinergänzung anzubieten, also tut sie das - nachdem der Bestehende gescheitert ist - nun auch nicht mehr. Stattdessen haben sich das Vizerektorat und die ÖH für die Wochen nach der Hiobsbotschaft erstmal in Schweigen gehüllt, die Zahnräder im Kopf arbeiten lassen und dann eine Lösung präsentiert, die wohl die wenigsten so wirklich glücklich macht. Statt einer Prüfung in Terminologie, muss nun die Lateinergänzungsprüfung am ISI (internationales Sprachenzentrum der Universität Innsbruck) abgelegt werden. Alternativen gibt es wenige (oder keine), da es bei anderen Prüfungen - mit ähnlichem Prüfungsniveau - Anrechnungsschwierigkeiten gibt.

Die Studierenden sitzen nun wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange und sehen der Prüfung des ISI entgegen. Dabei handelt es sich nicht um eine an das Medizincurriculum orientierte Ergänzungsvorlesung, sondern viel mehr um klassisches Latein, was für einen angehenden Arzt wohl nur sehr bedingt von Interesse sein dürfte. Die Prüfung entspricht dem Niveau von vier Jahren Schullatein wofür die Betroffenen nun drei Monate Zeit für die Vorbereitung haben. Denn im Unterschied zur MUW (wo nach wie vor Terminologie statt Latein abgehalten wird), besteht an der MUI die Möglichkeit einer Fristverlängerung nicht, was im Klartext bedeutet: Schafft man es in der gegeben Zeit nicht, sich genügend mit dem Stoff auseinanderzusetzen und die Prüfung positiv zu bestehen, verliert man die Antrittsberechtigung zur SIP1. Doch damit nicht genug der Pointen: Der erste Wiederholungstermin der Ergänzungsprüfung am ISI ist nach der SIP angesetzt, wodurch sich der Studierende der zusätzlichen Herausforderung gegenüber sieht die Prüfung beim ersten Mal bestehen zu müssen. Als Vorbereitung wurde ein Kurs von der ÖH organisiert, der verspricht den Stoff innerhalb der nächsten drei Monate durchzudrücken und das Studentenbudget um 200 Euro erleichtern wird (Prüfungsantritt inklusive).

Es ist schade, dass die MUI wohl zu keinem Kompromiss in dieser Problematik in der Lage ist. Die jetzige Situation stellt die Betroffenen des aktuellen Jahrgangs vor eine Hürde, welche wohl keiner in dieser Form vorausgesehen hätte. So würde eine Galgenfrist für die Prüfungsablegung, wie sie in Wien per Antrag gewährt wird, die Sachlage um ein ganzes Stück entschärfen.

 

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