[Innsbruck] Neuigkeiten aus Griechenland

Der Großteil des Semesters ist vorüber, die Weihnachtsferien stehen vor der Tür. Für viele Vorkliniker ist mit dem Ende des großen Sezierkurses nun auch die Zeit der chronischen Überdosen Kaffee und des periodisch wiederkehrenden, postexaminalen Ethanolkonsums vorbei. Für die Erstklassler steht nach den Ferien diese Erfahrung mit dem kleinen Sezierkurs noch bevor. Im Hintergrund drehen Organisatoren, Politiker und Rektoren fleißig an den Rädern um den Universitätsalltag am Laufen zu halten. Mehr oder weniger erfolgreich...

 (Bild: zukunftskinder.org)

MUI fusioniert möglicherweise mit der LFU

 

Im Gespräch steht im Moment die Möglichkeit, die Medizinische Universität Innsbruck wieder mit der Stammuni zu vereinen. In jedem Fall wird man wohl damit rechnen können, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Universitäten intensiviert wird. Die Gründe für diesen Schritt sind wahrscheinlich in der finanziellen Situation der MUI zu suchen. Die Medizinische Universität war eine Fakultät der Leopold-Franzens-Universität und wurde im Jahr 2002 als eigenständige Universität ausgegliedert. Da die Nachteile und zusätzlichen Kosten nun offensichtlich die Überhand genommen haben, ist man versucht, die Heimkehr in die LFU anzustreben.

Ob sich die wirtschaftliche Lage dadurch verbessern würde, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass sich die finanzielle Situation der MUI nach der Trennung von der Stammuniversität nicht verbessert hat, was eigentlich einer der Hauptgründe war, warum man die Fakultät überhaupt ausgegliedert hat. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Sieht man sich die medizinisch-biologische Bibliothek an (und vergleicht sie beispielsweise mit der Bibliothek auf der theologischen Fakultät), oder die Laboratorien im Biozentrum, wird einem langsam klar, dass die Medizinische Universität Innsbruck am Hungertuch nagt. Und das sind nur die Kontaktpunkte, die ein Student unmittelbar zu spüren bekommt, wohingegen in Bereichen die nur mittelbar mit der Lehre an der Universität zu tun haben ganze Abteilungen mit dem Rotstift gemartert werden. In diesem Sinne ist es eigentlich ganz positiv, dass man versucht ist, den Fehler wieder rückgängig zu machen. Mehr Geld für die Uni kann für die Studierenden schließlich nur von Vorteil sein, vorausgesetzt es wird richtig eingesetzt.

 

Medizinische Terminologie

 

Die Lehrveranstaltung "Latein: ausgehend von medizinischen Termini" wurde nun auch zum Opfer der interuniversitären Finanzkrise. Mit Ende des Wintersemesters 2011/12 wird die Vorlesung laut dem Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten Univ.-Prof. Dr. Norbert Mutz “aufgrund von juristischen Problemen als auch infolge fehlender budgetärer Bedeckbarkeit” nicht mehr stattfinden. 

Die Zusatzprüfung war und ist Voraussetzung für diejenigen welche weniger als 10 Semesterwochenstuden Latein an einer höheren Schule vorzuweisen haben. Da sie nun nicht mehr abgehalten wird, haben die Erstklassler des aktuellen Jahrgangs natürlich ein Problem. Im Hintergrund arbeitet das Vizerektorat für Lehre und Studienangelegenheiten in Zusammenarbeit mit der ÖH fieberhaft an der Lösung des Problems. Wie diese ausschauen soll ist bisher noch nicht bekannt. 

Konkret heißt das im Moment, dass nun nicht mehr die (relativ einfache) Prüfung der Vorlesung zu absolvieren ist, sondern das kleine Latinum gemacht werden muss. Das ist für die nächsten Generationen eine große Zusatzbelastung. Für den aktuellen Jahrgang ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Man darf gespannt sein, wie man hier die Wunden wieder flicken will!

 

Veränderte Bestehensgrenzen bei der SIP1

 

Seit dem Haupttermin 2011 gibt es einen neuen Notenschlüssel für die erste Summative Integrierte Prüfung in Innsbruck, welcher probeweise auch noch für den aktuellen Jahrgang gültig ist. Seitdem ist es, abgesehen von der unveränderten Gesamtbestehensgrenze von 60 %, nicht mehr notwendig, in jedem Fach ein Minimum von 50% richtiger Kreuzchen zu setzen. So wurden nun einige Fächer in Blöcken zusammengefasst, sodass man nur mehr in den Blöcken mindestens die Hälfte der Fragen richtig beantworten muss.

Dies hat zu einer etwas verminderten Durchfallquote geführt, was interessanterweise ausgereicht hat, um einige Engpässe bei den Lehrveranstaltungen des aktuellen dritten Semesters zu produzieren. So musste das Wahlfach topografische Anatomie gestrichen werden, welches den großen Sezierkurs begleitet hat und in der Vergangenheit von den Studierenden als hervorragende Ergänzung zum Praktikum sehr geschätzt wurde. Auch wurden die Sezierkurse umstrukturiert, was uns direkt zum nächsten Problem führt:

 

Das Problem mit den Sezierkursen

 

Die veränderten Bestehensgrenzen der SIP1 auf der einen Seite und die hohe Durchfallquote des “kleinen Sezierkurses” im Wintersemester 2010/11 auf der anderen Seite, führten zu einem neuen Modell sowohl für den großen als auch den kleinen Sezierkurs, welches aus der Not heraus entstanden ist, die hohe Anzahl an Absolventen zu bewältigen. 

Die Kurse sind nun zweigeteilt in eine Früh- und eine Spätgruppe, wobei beide Gruppen zeitversetzt an der selben Leiche arbeiten (also beispielsweise der Beinpräparant der Frühgruppe am linken Bein, der der Spätgruppe am rechten Bein). Insgesamt päparieren so 10 Studenten eine Leiche. An und für sich ist die Sache gut gelöst worden - man muss sich allerdings den Qualitätstrend vor Augen halten, der natürlich dezent nach unten zeigt, je mehr Studenten an einer Leiche arbeiten. Auch mag die fehlende Kommunikation zwischen der Früh- und Spätgruppe als Nachteil angesehen werden, was in manchen Gruppen zu einem eher unschönen, teilweise sogar von den Tutoren gefördertem Konkurrenzdenken geführt hat.

 

Große Veränderungen kündigen sich also an. Die wünschenswerte Fusion der beiden Universitäten, die der MUI den Vergleich mit den, durch die Medien geisternden Pleitestaaten ersparen würde, liegt in einer anscheinend doch realistischen Nähe. Ob sich dadurch das Finanzloch schließen lässt bleibt abzuwarten, mindestens jedoch macht man sich Gedanken darüber, bevor es zu spät ist. Wie die Problematik der Überzahl an Studenten mittelfristig gelöst werden soll, oder wie die Vorlesung der medizinischen Terminologie ersetzt werden soll - darüber kann man nur spekulieren. Es bleibt zu hoffen, dass die Themen in Angriff genommen wird, solange die Qualität der Lehre nicht zu sehr darunter leidet.

PS

 

Kommentare

xenst User offline. Last seen 16 Stunden 15 Minuten ago.
kein Mediziner
Beigetreten: 09.07.2010
Beiträge: 122
Zitat:

“aufgrund von juristischen Problemen als auch infolge fehlender budgetärer Bedeckbarkeit

 
Mich würde hier wirklich sehr stark interessieren wie die Juristischen Probleme denn konkret aussehen. In Wien klappts doch auch.

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