Für euch recherchiert: Anatomie auf der Meduni Innsbruck

Anatomie ist in den ersten beiden Studienjahren an der MUI das umfangreichste Fachgebiet. Im ersten Semester beschäftigt man sich in den ersten vier Wochen - im Hinblick auf die Prüfung in UKM (Siehe Erstklasslerguide für Innsbruck) - vor allem mit allgemeinen Aspekten der Anatomie, wie dem Knochenbau, Landmarken, Aufbau von Muskeln usw.

 (Bild:Patrick J. Lynch, medical illustrator)

 

Nach der UKM folgt die Vorlesung dem Bewegungsapparat des Menschen mit Muskeln und Gelenken, dessen Inhalte im kleinen Sezierkurs des ersten Semesters abgeprüft werden. Im zweiten Semester kommen dann die inneren Organe an die Reihe. Im dritten Semester (also nach bestandener SIP1) beschäftigt man sich sowohl im großen Sezierkurs, als auch in der Vormittagsvorlesung mit der Neuroanatomie.

 

Sezierkurse:

Seit einiger Zeit sind in Innsbruck zwei Sezierkurse zu absolvieren, und nicht mehr wie früher ein großer. Der erste Sezierkurs beschäftigt sich mit dem Bewegungsapparat, während sich der zweite mit den inneren Organen, Leitungsbahnen und der Neuroanatomie auseinandersetzt. Koordiniert und organisiert werden die Kurse von Frau Prof. Fritsch. Sie hält auch die Vorlesung Anatomie in den ersten zwei Semestern ab. Wir haben im Rahmen der Themenwoche Anatomie ein Interview mit Prof. Fritsch geführt 

 

“Kleiner Sezierkurs”

 

Der kleine Sezierkurs beginnt nach den Weihnachtsferien im ersten Semester und dauert drei Wochen, von Montag bis Donnerstag, jeweils 3 Semesterwochenstunden (2 Stunden und 15 Minuten). Die Gruppeneinteilung wird im Vorfeld am schwarzen Brett des Anatomischen Instituts ausgehängt und kann von der UKM-Gruppeneinteilung abweichen. In dem Kurs lernst du den Bewegungsapparat des Menschen direkt am Präparat, wobei du von einem, eurer Gruppe zugeteilten Tutor unterstützt wirst. In der ersten Woche stehen die Gelenke im Mittelpunkt des Geschehens. Du suchst dir ein Präparat aus (Hüftgelenk, Ellbogengelenk, Kniegelenk, Schultergelenk, …) und präparierst es so, wie es in der Präparationsanleitung steht, die du im Ilias ausdrucken kannst und zum Kurs mitnehmen sollst. Nach der ersten Woche folgt das erste Kolloquium, in dem du über alle Gelenke, sowie in Allgemeinanatomie abgeprüft wirst, wobei dir Präparate zur Demonstration zur Verfügung stehen. Manche Inhalte (z.B. das Kiefergelenk) werden nicht abgefragt, diese Informationen erhälst du dann von deinem Tutor.

 

In den folgenden zwei Wochen wird dann an der ganzen Leiche präpariert, wobei wieder jedem Studenten eine definierte Region zugeteilt wird (Zahnmedizinstudenten vorwiegend Kopf/Hals), dessen Muskeln er präparieren soll. Am Ende des Sezierkurses erfolgt wieder ein Kolloquium in dem die Muskeln des Bewegungsapparates (Also beispielsweise nicht die mimischen Muskeln), mit Ansatz, Ursprung, Innervation und Funktion abgefragt werden.

(Bild: Anatomie Innsbruck)

 

 

Prüfungsmodus

 

Die Bewertung des Sezierkurses erfolgt hauptsächlich über die Kolloquien (Assessments) und außerdem durch die Beurteilung deines Präparats (0 Punkte für schlechte Präparation - 1 Punkt für gute Präparation). In beiden Assessments werden dir drei Fragen gestellt. Bei jeder Frage kannst du maximal 3 Punkte erzielen. Um ein Assessment positiv abzuschließen musst du mindestens 6 Punkte bei der Prüfung erzielen. Das erste Assessment kann einmal wiederholt werden, das zweite Assessment darf zwei Mal wiederholt werden. Schaffst du es wider Erwarten nicht, den Sezierkurs positiv abzuschließen, darfst du trotzdem weiterhin mitarbeiten, musst den Sezierkurs jedoch im folgenden Wintersemester noch einmal absolvieren.

 

Lerntipp: Im Sezierkurs musst du dir relativ viel Wissen in kurzer Zeit aneignen. Um dem Stress ein wenig aus dem Weg zu gehen, verwende die freie Zeit nach Silvester (entsprechend deinem Neujahrsvorsatz, dich voll ins Medizinstudium reinzuhängen), dich auf den Sezierkurs vorzubereiten. Konzentriere dich dabei hauptsächlich (aber nicht nur) auf die Region, die du gerne präparieren würdest, sei dir dabei aber bewusst, dass es keine Garantie dafür gibt, dass du am Ende auch tatsächlich diese Region erhälst.

 

Zum Lernen ist der Taschenatlas Anatomie - Band 1 von Platzer essentiell. In ihm findest du alle relevanten Inhalte kompakt und einheitlich. Im Zweifelsfalle orientieren sich die Prüfer an diesem Buch (wenn du bei der Prüfung einmal in die Notlage geraten solltest, deine Aussage beweisen zu müssen, zählt das, was im Platzer steht). Bei vereinzelten Prüfern werden auch andere Inhalte geprüft, als im Taschenatlas Anatomie zu finden sind. In diesem Fall macht dich aber dein Tutor darauf aufmerksam, was wichtig ist.

 

 

“Großer Sezierkurs”

 

Das dritte Semester beginnt mit gleich mit dem, 10 Wochen dauernden Sezierkurs, in dem es um die Organe, Leitungsbahnen und Nerven gehen wird. Wie auch im kleinen Sezierkurs wird dir hier eine definierte Region zugeteilt, an der du dann im gesamten Kurs arbeiten wirst. Über die Wochen verteilt wirst du in 5 Assessments über definierte Themengebiete geprüft:

 

 

 

 

1. Assessment: Organe, Nerven und Leitungsbahnen an Hals und Thorax

2. Assessment: Organe, Nerven und Leitungsbahnen im Abdomen inkl. Becken und Retrositus

3. Assessment: Knöcherner Schädel, Drüsen, Orbita, Mundboden, Nerven und Leitunsbahnen

4. Assessment: Rückenmark, Nerven und Leitungsbahnen an Extremitäten

5. Assessment: Gehirn, Hirnnerven und Schädelbasis

(Bild: Dr. Frank Antwerpes; Doccheck pictures)

 

 

Prüfungsmodus: 

 

Der Aufbau der Assessments ist dem kleinen Sezierkurs analog: Es werden drei Fragen gestellt, wobei man bei jeder Frage ein Maximum von drei Punkten erhalten kann. Um zu bestehen braucht man wiederum 6 Punkte oder mehr.

Zusätzlich gibt es am zweiten Kurstag den Eingangscheck, an dem dir eine Frage zu deiner Region gestellt wird. Die Beurteilung erfolgt mit Plus oder Minus. Ein Plus wird als Bonus mitgeführt, hat aber ansonsten keinen Einfluss auf die Endbeurteilung. Bewertet wird außerdem auch noch das Präparat - je nach Qualität von 0 bis 3 Punkten - und das, von eurer Gruppe zu erstellende Portfolio. Dieses kann von der Gruppe individuell gestaltet werden und enthält im Wesentlichen eine Leichenbeschreibung, welche am ersten Praktikumstag zu erstellen ist, sowie eine Art Tagebuch eines jeden Gruppenmitglieds, in dem der Präparationsfortschritt notiert wird und du alle Besonderheiten und Auffälligkeiten niederschreibst. Des Weiteren schreibt jedes Gruppenmitglied einen Bericht über das Ethikseminar, das den Sezierkurs begleitet . Anonsten kann das Portfolio frei gestaltet werden und beispielsweise durch Fotos ergänzt werden, oder einen Bericht über das Leichwendfest, etc.

 

Im Unterschied zum kleinen Sezierkurs darf jedes Assessment, bei Nichtbestehen nur einmal wiederholt werden. Insgesamt sind im gesamten Kurs nur drei Wiederholungen erlaubt.

(Bild: fernstudium-wiwi)

 

 

Lerntipp: Auch bei diesem Sezierkurs gilt es wieder sich viel Wissen in wenig Zeit anzueignen. Erfahrungsgemäß macht es Sinn, sich kurz vor Semesterbeginn die Anatomieinhalte, welche bei der SIP geprüft wurden noch einmal durchzulernen. Auf diese Weise erspart man sich den mühsamen ersten Anlauf beim Lernen auf die Assessments. Als Lerngrundlage dient hier wieder Band 1 des Taschenatlas Anatomie (vor allem das Kapitel über die Topografie) sowie Band 2: Innere Organe. Obwohl es auch noch einen dritten Band gibt, der sich mit der Neuroanatomie beschäftigt, eignet er sich eher weniger zum Studium dieser Inhalte. Für die letzten zwei Assessments gibt es viele gute Neuranatomie-Lehrbücher (z.B. den Trepel oder Band 3 der Sobotta-Reihe), sowie die Unterlagen der, den Sezierkurs begleitenden, Vorlesung aus Neuroanatomie. Leider wird das Wahlfach “Topografische Anatomie”, das als Ergänzung zum Sezierkurs diente, aus Zeitgründen nicht mehr abgehalten. Die Unterlagen zu diesem Wahlfach finden sich dennoch im Ilias. Außerdem hast du die Möglichkeit dir den Online-Stream der Topografie-Vorlesung der Medizinischen Universität Tübingen anzuschauen. 

 

 

Interessantes: Etwa in der Mitte des Sezierkurses wenn die Vorderseite fertig präpariert wurde, wird die Leiche gewendet um an die Rückseite zu kommen. Zu diesem Anlass veranstaltet man das sogenannte “Leichwendfest”, bei dem eine Location in Innsbruck vom Präpariersaal angemietet wird und im Wesentlichen rund um das Rahmenprogramm (das Professoren, Tutoren und auch Studenten gemeinsam organisieren) ordentlich gefeiert wird.  

PS

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