Die Qual zur ÖH-Wahl - Die Parteien antworten #2
Nach JULIs und VSSTÖ hat sich auch der Platzhirsch ÖMU zu Wort gemeldet. Wir entschuldigen uns abermals für die Verzögerungen und wollen euch mit aller Eindrücklichkeit zum Wählen auffordern!
Tragt euren Teil zum Verbessern unserer Uni bei!

Wie steht ihr zum EMS? Bzw. welche Politik wurde in diese Richtung vor der Urabstimmung betrieben?
Das EuGH-Urteil im Jahre 2005 hat die MUW vor eine schwierige Situation gestellt. Jeder, der in diesem Jahr angefangen hat und sich an die völlig überlaufenen Hörsäle erinnert weiß, dass 1500 Anfänger eine Zahl ist, die mit Qualität und den Ressourcen der Universität nur schwer zu vereinbaren ist. Es gab daher bei der Wahl 2005 eine Urabstimmung zum Thema Zugangsbeschränkungen. Das Ergebnis besagt, dass die Mehrheit der Studierenden Zugangsbeschränkungen vor Beginn des Studiums wünscht. Objektiv betrachtet ist dies ja auch wesentlich fairer als eine Knock-Out-SIP1. Von Seiten der ÖMU setzen wir uns daher für ein Zugangsmanagement vor Studienbeginn, und nicht per se für den EMS-Test ein. Der EMS-Test ist auch für uns keine perfekte Lösung, sondern aufgrund des Mangels an guten Alternativen die einzig praktikable. Alternativen wie die Einführung eines Numerus clausus lehnen wir ab. Soziale Kompetenzen sollten Eingang in das Zugangsmanagement finden, sind jedoch zugegebenermaßen in der breiten Masse schwer zu überprüfen.
Was passiert mit dem ÖH-Beitrag? Schließlich ist das für viele die einzige Form von Studiengebühren. Gibt es dazu eine öffentliche Aufschlüsselung?
Der ÖH-Beitrag wird zunächst der ÖH-Bundesvertretung gutgeschrieben, welche 15% einbehält und 85% an die jeweilige Uni-ÖH weiter überweist. Von den knapp 17 Euro verbleibt also der Großteil bei der ÖH Medizin Wien. Mit diesem Geld finanzieren wir zum einen unsere beiden fest angestellten Sekretärinnen, die sich um die Buchhaltung, Beratung, Hepatitisimpfung, Bücherbörse,… kümmern, zum anderen finanzieren wir damit unseren Service (z.B. die Med4You) und weitere Projekte wie aktuell z.B. die verlängerten Öffnungszeiten des CLS.
Für die ÖMU ist es ein wichtiger Grundsatz, dass wir den ÖH-Beitrag für Dinge verwenden, die ALLEN Studierenden zu Gute kommen, und nicht im Voraus bestimmte Gruppen ausgeschlossen bzw. diskriminiert werden.
Unser Campus, oder eher unser nicht vorhandener Campus, sorgt seit Jahren für Gesprächsstoff. Das Anatomie-Café wurde vor Jahren ersatzlos gestrichen. Die letzte Möglichkeit, sich in einer der Vorkliniken
Von Seiten der ÖH sind wir mehrmals mit der BIG in Kontakt getreten, um die Angelegenheit noch positiv beeinflussen zu können. Nachdem es aber eine reine Geldsache war waren wir in der Hinsicht absolut machtlos.
Zur Verwendung der „Hahn-Millionen“: Die Whiteboards waren nur ein Teil der Investitionen. Unter anderem wird von diesem Geld in Kürze ein Studierendenaufenthaltsraum auf der Vorklinik mit Arbeits- und Lernmöglichkeiten eröffnet.
Was haltet ihr von OSCE (Objective Structured Clinical Evaluation) und wärt ihr dafür oder dagegen, wenn die MUW sich dafür entscheiden würde, dieses Prüfungssystem einzuführen? Bisschen vergleichbar wäre es vermutlich mit den Tertialprüfungen bzw. mit dem Famulaturpropädeutikum.
Änderungen am Curriculum verursachen innerhalb der Studierendenschaft immer zunächst Angst und Panik. Bezüglich des OSCE müssen mehrere Dinge bedacht werden, da zum einen eine Erhöhung der praktischen Ausbildung zu begrüßen ist, diese Prüfungsform jedoch wieder eine subjektive und prüferabhängige Umgebung schafft, was man im neuen Curriculum ja vermeiden wollte. Folgende Dinge müssen ansonsten noch bedacht werden:
- es muss in ausreichender Art und Weise davor unterrichtet werden, zusätzlich muss es genug Zeit geben auch zu üben
- es muss klar vorgegebene Lernziele in Form eines Skriptums geben, das den gesamten praktischen Prüfungsstoff umfasst
- es muss genug Prüfungsstationen geben, um einen subjektiven Prüferbias auszuschließen. Objekte Überprüfungen (z.B. am PC) sollten mit den subjektiven, praktischen Überprüfungen kombiniert werden
- es muss Probedurchläufe, die genauestens evaluiert und verbessert werden geben.
Ein OSCE könnte eine Erweiterung und Verbesserung unseres derzeitigen Prüfungssystems sein. Eine vollkommen subjektive Beurteilung, so wie bei den Rigorosen früher, muss verhindert werden.
Wo seht ihr die Zukunft des Studiums? Schlagworte: Quotenregelung, Ansturm ausländischer Studenten, Finanzierung der Universitäten, Studiengebühren, …
Die Medizin nimmt in der Diskussion um Zugangsbeschränkungen, Quotenregelung etc. aufgrund der „Konkurrenz“ aus Deutschland sicher eine Sonderstellung ein. Der ÖMU ist die Qualität im Studium ein wichtiges Anliegen – eine hochqualitative Ausbildung ist meinem offenen Zugang zum Medizinstudium jedoch absolut nicht zu erreichen, von daher treten wir für ein Zugangsmanagement ein.
Die Ergebnisse des EMS-Tests zeigen, dass deutsche Studienwerber oftmals besser abschneiden als ihre österreichischen Kollegen. Gepaart mit der Befürchtung, dass viele wieder in ihr Heimatland zurückgehen ist die Quotenregelung aus unserer Sicht derzeit gerechtfertigt. Wir fordern die Politik jedoch auf diese bis dato auf EU-Ebene ungeklärte causa baldmöglichst klarzustellen.
Zum Thema Studienbeiträge möchten wir mit der Urabstimmung die Meinung der Studierenden erfassen. Dass die Universitäten chronisch unterfinanziert sind ist kein Geheimnis, die Diskussion darüber, ob die Studierenden ihren Beitrag zur Finanzierung leisten sollen und wenn ja in welcher Höhe ist jedoch eine höchst politische. Als ÖMU sind wir prinzipiell eher contra Studienbeiträge eingestellt, würden uns bei einem anders lautendem Ergebnis bei der Urabstimmung aber der Meinung der Mehrheit der Studierenden anschließen und für die Lehre zweckgebundene Studienbeiträge fordern.
Steht die Patho-Pflichtfamulatur zur Debatte (vor allem im Hinblick zum Mangel an Plätzen im Raum Wien)?
Die ÖMU setzt sich für die Abschaffung der Patho-Pflichtfamulatur ein. Die Pathologie hat im neuen Curriculum massiv an Relevanz eingebüßt, von daher ist es für uns auch unverständlich warum jeder Student zwei Wochen verpflichtend dieses Fach abfamulieren sollte. Zusätzlich fordern wir die Abschaffung der unkoordinierten Pathohistopraktika.
Wie soll der 3. Abschnitt gestaltet werden? PJ (Standpunkt/Ausmaß/Dauer/Bezahlung/...) Wie schaut das für Übergangsjahrgänge aus?
Das PJ ist ein international verbreitetes didaktisches Konzept, das der Überlegung „learning by doing“ folgt. Die ÖMU unterstützt dieses Konzept, ist sich aber bewusst, dass es zahlreiche Problematiken in der Umsetzung gibt, die im Vorfeld geklärt werden müssen. Die ÖMU hat hierzu in der Vergangenheit einen umfassenden Forderungskatalog geschrieben und diesen auch unter den Studierenden publiziert (z.B. ÖMZ Spezial 1&2). Es gab zahlreiche Gespräche mit Vertretern der Universität, und es mussten bereits bis dato zahlreiche Widerstände überwunden werden. Wir fordern u.a. eine Bezahlung des PJ bzw. zumindest die Bereitstellung von Kleidung, Unterkunft und Essen. Ein weiterer kritischer Punkt ist die zu leistende Arbeitszeit, es muss sichergestellt werden, dass Studierenden parallel zum PJ bei Bedarf ihren Lebensunterhalt bestreiten können, zudem muss genügend freie Zeit z.B. für die Fertigstellung der Diplomarbeit zur Verfügung stehen. Die zu erbringende Arbeitszeit sollte daher nicht das Level der derzeitigen Tertiale übersteigen. Bezüglich der Länge werden von Seiten der Curriculumdirektion 48 Wochen gefordert, dies wird von unserer Seite als zu lang abgelehnt, insbesondere deshalb, da die Approbation nach dem Studium nach wie vor nicht greifbar erscheint. Bezüglich eines Übergangsjahres braucht es faire Regelungen, bei denen es keinesfalls zu Studienzeitverzögerungen kommen darf. Die Möglichkeiten von Auslandsaufenthalten sollten zusätzlich weiter ausgebaut werden.
Findet ihr die Anzahl der Freien Wahlfächer ausreichend bzw. sollte man die z.B. auf Kosten der vielen (diskussionswürdigen) Vorlesungen ein wenig ausbauen?
Die Vorlesung ist als didaktisches Mittel weit unten in der Lernpyramide anzusiedeln. Dementsprechend schlecht besucht sind sie, vor allem ab dem 4. Studienjahr. Ihre Abschaffung ist anzudenken, ebenso die Reduzierung der Pflichtanwesenheit. Mit guten und qualitativen Block/Tertialunterlagen könnte man einiges ersetzen. Die Transferierung von besonders speziellen Lehrinhalten weg aus dem Pflichturriculum hin zu Wahlfächern ist ein Lösungsvorschlag.
Parteifinanzierung: Wie setzt diese sich bei euch zusammen? Ist sie transparent? Wenn ja, wo kann man die Zahlen darüber sehen?
Die ÖMU bekommt von keiner Partei auch nur einen Cent. Wir finanzieren uns komplett selbst über Inserate in unseren Medien, Sponsoring/Kooperationen und Festen. Die politische und finanzielle Unabhängigkeit ist unser höchstes Gut, damit wir unsere Vielfältigkeit bewahren und uns auf die Arbeit für die Medizinstudierenden konzentrieren können.
Warum unterstützt ihr die verschiedenen Auswanderkampagnen (z.B. DocandDoc, “Berufen” in der Messe Halle), anstatt genau auf diesen Veranstaltungen mehr für Verbesserungen in Österreich zu protestieren?
Für uns ist es wichtig, den Studierenden alle Informationen zukommen zu lassen, die für sie postgraduell wichtig sein könnten. Es ist nicht von der Hand zu weisen dass in den letzten Jahren die Zahl der beruflichen Auswanderer stetig zugenommen hat, von daher sind Informationsveranstaltungen diesbezüglich zu unterstützen. Nichtsdestoweniger informieren wir aber auch über die Möglichkeiten in Österreich, z.B. im Doktoratsbereich an unserer Universität, in der Privatwirtschaft etc. Für die Verbesserung der postgraduellen Ausbildung im Sinne einer Turnusreform setzen wir uns zusätzlich stark ein.
Welche Pläne/Ideen gibt's bezüglich der Lösung der chronischen Überfüllung des Lesesaals und der Bibliothek, außer der kaum als Dauerlösung möglichen Erweiterung der Öffnungszeiten des CLS?
Es werden immer wieder Stimmen laut, die verlangen, dass nur Medizinstudenten in den Lesesaal dürfen. Nachdem aber viele Mediziner auch auf anderen Universitäten lernen und mit ähnlichen Regelungen zu rechnen ist sehen wir diese Forderung skeptisch. Das CLS wird ab kommendem Semester auch unter der Woche die erweiterten Öffnungszeiten beibehalten. Die zusätzlichen Öffnungszeiten am Wochenende wird es auch bei zukünftigen SIPs geben, da hier vermehrt Bedarf besteht, der gedeckt werden muss. Die finanziellen Mittel hierfür werden von der ÖH bereitgestellt. Langfristig ist die Umsetzung des von der ÖMU geforderten „Medizinischen Campus“ bereits in konkreter Planung, so existiert z.B. eine Senatsarbeitsgruppe zu diesem Thema und es werden erste konkrete Berechnungen angestellt, wie die vorklinischen Institute auf das AKH-Gelände transferiert werden können. Die ÖMU wird hierbei weiterhin tatkräftig mitarbeiten, um zukünftigen Generationen von Medizinstudenten endlich einen Campus bieten zu können.
MS
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