Nach der Universitätsreform - Vision und Realität der Medizinischen Universität

Fragen über Fragen
Nachdem die medizinischen Universitäten in Österreich (Wien, Graz und Innsbruck) 2004 ihre Autonomie erhielten, bedeutete das auch massive innere Änderungen und Neuerungen für die Beteiligten. Zielvereinbarungen, die mit dem zuständigen Wissenschaftsministerium abgeschlossen werden, müssen erfüllt werden, da es ansonsten zur Kürzung der öffentlichen Gelder kommt.
Doch es stellt sich die Frage, ob wirklich alles so einfach unter einen Hut zu bringen ist. Wie sieht es nun im Bereich Lehre, Forschung, Entwicklung und Patientenbetreuung aus?
Kann jeder dieser Bereiche wirklich adäquat abgedeckt werden?
Welche Mehrbelastungen spüren junge Ärzte in ihren Anfangsjahren?
Kann man Forschung und Patientenbetreuung wirklich nach der Uhr richten?
Welche Karrieremöglichkeiten sieht ein fertiger Mediziner am Ende seiner 6-jährigen Ausbildungszeit?
Gibt es überhaupt genügend Karrieremöglichkeiten für Jungärzte in Österreich?
Ist Österreich eigentlich noch ein attraktiver Standort zur postgraduellen Karriereplanung?

Med-Uni: Opfer oder Wettbewerbsfähig?
Am Dienstag den 28.April 2009 gab es an der MUW genau zu diesen brisanten Themen eine Enquete, die die heutige Stellung der medizinischen Universitäten näher beleuchtete. Unter Mitwirkung der österreichischen Ärztekammer, der Bundeskurie Angestellter Ärzte, dem Rektorat der MUW, sowie geladenen Referenten aus Wirtschaft, Medizin und Politik hat man versucht die letzten Jahre zu reflektieren und ein wenig in die Zukunft zu sehen.
MR Dr. Walter Dorner, Präsident der Ärztekammer, sieht die medizinischen Universitäten in Österreich als „klassische Opfer“ politischer Entscheidungen. Auf die eine Seite stellt man die Autonomie, aber andererseits verlangt die Regierung Dinge, die mit enormer Mehrbelastung für die Lehre, aber auch mit budgetären Einschränkungen gekoppelt sind. Dazu zählt Dorner die Aufstockung der Studienplätze, genauso wie die Abschaffung der Studiengebühren. Wichtig ist es, und da waren sich alle Redner einig, dass die Wissenschaft wettbewerbsfähig bleiben muss.
Für den Rektor der MUW, Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schütz, sind vor allem ein Anstieg des Globalbudgets und ein Anstieg der Drittmittelgelder ein wichtiges Thema. Zwar zahlt der Bund die MUW, und damit auch das AKH, aber 90% der Bundgelder sind alleine für die Personalkosten verplant! 6% der Angestellten sind sogar Drittmittel-finanziert, obwohl sie rein klinischen Tätigkeiten nachgehen!
Dr. Harald Mayer, Obmann Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer, sieht gerade in dieser Drittmittelfinanzierung ein Problem. Seiner Meinung nach muss Forschung auftragsfrei bleiben, da es sich sonst nicht um unabhängige Forschung handelt, und er verlangt mehr Geld vom Bund. Seine Vision von attraktiven Arbeitsbedingungen, und dass die Lehre sowie die Forschung Teil der Arbeitszeit werden soll, hält der Realität nicht Stand.

Status quo
Zurzeit sehen die Arbeitsbedingungen am AKH nicht gerade rosig aus. Es fehlen 150 Ärzteplanstellen, in den letzten Jahren wurden die Journaldiensträder von 200 auf 170 reduziert und die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt zirka 70 Stunden pro Woche. Das bedeutet, dass die Routinebelastungen stetig ansteigen - das AKH verbucht jährlich enorme Zuwächse der ambulant und stationär behandelten Patienten – aber gleichzeitig werden die Planstellen gekürzt, und Ärzte dementsprechend mehr arbeiten müssen, um das enorm hohe Level halten zu können.
Kein Wunder, dass bei den derzeitig herrschenden unattraktiven Karrieremöglichkeiten die Abwanderungsrate österreichischer Jungmediziner ins Ausland stetig im Wachsen ist. Wer will schon neben der sehr belastenden und zeitintensiven Patientenbetreuung noch in seiner Freizeit Forschung machen, um die Chance einer Weiteranstellung wahren zu können?
Wir wollen wissenschaftlich im Spitzenfeld mithalten, aber die Ausdifferenzierung von Wissenschaft, Forschung, Lehre und Entwicklung steckt teilweise noch in den Kinderschuhen.

Die richtige Richtung (?)
Ein Schritt in die richtige Richtung um diese „tripartite mission“ (Forschung, Lehre und Patientenversorgung; Zitat Rektor Schütz) in geordnetere Bahnen zu bringen, ist der nun endlich beschlossene Kollektivvertrag. Hier werden Grundlagen gesetzt, an die sich alle Universitäten halten müssen. Österreich übernimmt mit diesem Kollektivvertrag eine Vorreiterrolle in Europa. Am 5.Mai 2009 soll es nun endlich im Parlament zur Unterschrift kommen, und wir werden alle weiterhin das Geschehen mit Spannung verfolgen, ob dadurch die Attraktivität der MUW steigt, und Zielvereinbarungen zwischen Dienstgebern und –nehmern die richtigen Rahmenbedingungen für ein Karrieremodell stellen.
Auch wird mit Spannung das neue Universitätsgesetz erwartet, dass noch dieses Halbjahr beschlossen werden soll. Wir werden weiterhin kritisch die Entwicklungsschritte bis 2011 beobachten, ob es tatsächlich zu verbesserter Nachwuchsförderung (zB: Graduiertenkollegs, Post-doc Stellen, Juniorprofessuren,..), Basis-Approbation, Prioritätensetzung in der Forschung und Erhöhung der Drittmittelgelder kommen wird.

Christine Pomikal

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