Karrieretage - McKinsey stellt sich vor

Die Infoveranstaltung war in zwei Teile geteilt, einen Vortrag über McKinsey und eine Möglichkeit mit den anwesenden Beratern von McKinsey im persönlichen Gespräch über deren Erfahrungen zu sprechen.

Da man als Medizinstudent meistens das Ziel vor Augen hat am Ende der Ausbildung irgendwo eine Turnus- oder Assistenzarztstelle zu ergattern und sich wenig über andere Karrieremöglichkeiten Gedanken macht, hier noch kurz einen Überblick, was McKinsey eigentlich ist. McKinsey ist die älteste (1926 in Chicago gegründet) und größte (14.500 Mitarbeiter) Unternehmensberatung der Welt, mit Büros in 51 Ländern.

Zu aller erst stellt sich da natürlich die Frage, ob man als Mediziner bei einer Unternehmensberatung nicht an der falschen Stelle ist. Schließlich gibt's dafür ja BWL-Studenten, die auf dieses Ziel genauso hinarbeiten, wie wir auf das Ziel irgendwann 'mal Leute aufschneiden zu dürfen. Hier kommen wir auch schon zu einem der hoch gehaltenen Leitsätze von McKinsey (die restlichen dieser values gibt's hier: McKinsey - Values). McKinsey will sogenannte Generalisten, also Berater die sich in vielen verschiedenen Bereich auskennen, BWL-Absolventen sind bei McKinsey genauso zu finden, wie Mediziner, Chemiker, Biologen und kürzlich wurden in Wien anscheinend gerade zwei Theologen als Berater aufgenommen (Anmkg.: vielleicht waren die auf der Suche nach einer Ersatzreligion, aber dazu kommen wir später). McKinsey will nicht nur Berater aus allen Bereichen, sondern McKinsey will "die Außergewöhnlichen, nur die besten der Besten".

Aus diesem Grunde versucht McKinsey auch auf allen Universitäten präsent zu sein, um möglichst viele Studenten dazu zu bewegen, sich bei McKinsey zu bewerben. Aus tausenden Bewerbern suchen sie sich nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren ihre neuen Zöglinge heraus. Der erste Schritt zum neuen Glück besteht darin sich online anzumelden und sich McKinsey zu offenbaren. Hat man die erste Hürde überstanden, wird man zum "Bewerbungsmarathon" eingeladen, der irgendwo in einer deutschsprachigen Stadt stattfinden (München, Hamburg, Wien, ...). Nach einigen Interviews am Vormittag mit Fragen zum eigenen CV und der Aufgabe mehrere Fallbeispiele zu lösen. Anschließend gibt's noch eine schriftliche Überprüfung um analytische Fähigkeiten zu prüfen, am Nachmittag ein abschließendes Interview mit einem der Senior-Consultant und wer Glück hat bekommt gleich ein Anstellungsangebot. Für einen Mediziner würden dabei ca. EUR 95.000 Jahresgehalt (brutto) und einige Vergünstigungen (Firmenauto, ...) herausschauen. Auf den ersten Blick klingt das ja 'mal nicht so schlecht, aber was muss man denn dafür tun?

Grundsätzlich entscheidet man sich zu Beginn seiner Karriere in welchen Branchen man beratend tätig sein möchte. Das kann der nahe liegende Bereich health care sein, aber auch financial services oder automotives. Ganz zu Beginn bekommt man einen 4-wöchigen Mini-MBA, um wenigstens die basics der Wirtschaftswelt zu verstehen. Hat man diesen hinter sich, wird man einem Projekt zugeteilt. Ein Beispiel wäre, dass eine Pharmafirma eines ihrer Medikamente in Asien einführen möchte und deshalb Beratung von McKinsey braucht. Egal wo diese Firma ihren Hauptsitz hat, McKinsey schickt nicht die Berater vor Ort zum Kunden, sondern wählt aus ihrem Pool von Beratern die aus, die am besten dafür geeignet sind. Das hat vielleicht noch den angenehmen Nebeneffekt, dass man an einem fremden Ort, weder Freundin, noch Freunde noch sonst wen hat, also kann man auch schön bis 24 Uhr arbeiten. Grundsätzlich schaut eine normale Arbeitswoche so aus, dass man am Montag Morgen ins Flugzeug steigt, in irgendeine (meiste europäische) Stadt fliegt und dort mit dem Kunden vor Ort am Projekt arbeitet. Das heißt in unserem Beispiel Informationen sammeln, um die Nachfrage nach unserem Medikament zu eruieren, die Konkurrenzpräparate auszumachen, die Markteinführung logistisch vorzubereiten und vieles mehr. Anschließend wird das ganze in eine Powerpoint-Präsentation gepackt (wer einen McKinsey-Berater dabei beobachtet hat ein normales A4 Papier im Querformat in die Hand zu nehmen, weiß jetzt warum) und dem Kunden präsentiert.

Ein normaler Arbeitstag sollte mit ca. 20:00 Uhr enden, 22:00 Uhr oder Mitternacht sollen aber auch schon vorgekommen sein. Am Donnerstag Abend geht's dann wieder mit dem Flugzeug ins Büro nach Hause, Freitag ist ein normaler Arbeitstag (bis ca. 18:00 bis 19:00 Uhr) und Samstag und Sonntag sind bis auf wenige Ausnahmen frei.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass McKinsey ein überdurchschnittlich gutes Einstiegsgehalt bietet, viel in ihre Berater investiert (jedes Jahr gibt's einige Wochen Ausbildung) und wenn man die CVs der Managementebene eines jeden großen Unternehmens ansieht auch ein perfekter Einstieg für eine Karriere in der Wirtschaft ist. Die Arbeit ist abwechslungsreich und interessant, aber welchen Preis muss man für das alles bezahlen?

Arbeitszeiten von 70 - 80 Stunden die Woche sollen einem (AKH)-Arzt ja auch nicht fremd sein, dass man über die Hälfte der Woche irgendwo in Europa ist und um 22:00 Uhr sein Abendessen nicht daheim zu sich nimmt, sondern in irgendeinem Hotel mit seinen Beraterkollegen, ist aber nicht jedermanns Vorliebe. McKinseys Grundsatz "Put the client’s interest ahead of our own" zeigt auch, dass man seine privaten Interessen zuerst 'mal hinten anstellen muss und erst wenn der Firma gedient wurde, darf man sich selber dienen.

Trotz alledem waren die zwei Berater bei dieser Infoveranstaltung natürlich vollkommen überzeugt von sich, den values ihrer Firma und alles ist super. Aber McKinsey soll für den einen oder anderen schon zur Ersatzfamilie geworden sein.

Schlussendlich muss natürlich jeder für sich selbst die Vorteile von McKinsey (sehr gutes Gehalt, sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten, interessante Arbeit, steile Lernkurve, ...) gegen die Nachteile (hohe Arbeitsbelastung, 3 Nächte pro Woche im Hotel, ...) abwägen.

zum Abschluss ohne Kommentar:
Ein Schäfer in Schottland hütete friedlich seine Schafe. Eines Tages fuhr ein Jeep Cherokee vor und ein junger Mann in YSL Anzug, Cerruti Schuhen, Ray-Ban-Brille und Gaultier Krawatte stieg aus. Der junge Mann fragte den Schäfer: "Wenn ich errate, wie viele Schafe sie haben, geben sie mir dann eins davon?" Der Schäfer schaute erst den jungen Mann an, dann die Schafe, die rundherum grasten und antwortete: "Ja."

Da ging der junge Mann zu seinem Jeep, holte das Notebook und den GSM raus, schloss sich ans Netz der NASA an, erkundete das Terrain per GPS, erstellte eine Datenbank, 60 Excel Tabellen voller Algorithmen und Exponenten, erstellte einen Report über 150 Seiten, druckte ihn auf seinem High-Tech Printer und drehte sich dann zu dem Schäfer: "Sie haben genau 1586 Schafe." Der Schäfer antwortete: "Absolut korrekt, sie können ein Schaf mitnehmen." Der junge Mann nimmt ein Schaf und verstaut es in seinem Kofferraum.

In diesem Moment sagt der Schäfer: "Wenn ich ihren Beruf errate, geben sie mir dann mein Schaf wieder?" Worauf der junge Mann antwortet: "Ja, sicher." Darauf der Schäfer: "Sie sind Senior Consultant bei McKinsey." – "Wie kommen sie darauf? Das stimmt!" – "Ganz einfach.", antwortet der Schafhirte, "1. Sie sind hier aufgetaucht, ohne dass jemand sie gerufen hätte. 2. Sie möchten ein Schaf haben, um mir etwas zu sagen, was ich schon selbst wusste. 3. Sie verstehen rein gar nichts von dem, was ich tue, denn sie haben meinen SCHÄFERHUND genommen!!"

Richard Brunner
für MCW-Portal.com

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