Focus: Infoveranstaltung ÄrzteJobs'09
Das MCW-Portal war für euch heute auf der Infoveranstaltung "ÄrzteJobs'09" mit dem Schwerpunkt "Krankenhäuser aus Deutschland - Sachsen & Thüringen" im Hörsaalzentrum Südgarten. Ob die Ausbildung in Deutschland eine geeignete Alternative darstellt könnt ihr in unserem Exklusiv-Reviewbericht nachlesen.
Die Veranstaltung bestand im Grunde aus zwei wesentlichen Elementen. Einerseits gab es von 14.30-17 Uhr im Hörsaal A des Südgartens verschiedene Vorträge (genaueres dazu weiter unten), andererseits konnte man direkt mit Leuten der vertretenen Krankenhäuser aus Sachsen und Thüringen sprechen. Die Kontaktaufnahme fiel nicht schwer. Man musste eigentlich nur kurz an einem der Stände stehenbleiben und interessiert schauen, schon wurde man von jemandem angesprochen. Die Vertreter der diversen Krankenhäuser waren dabei äußerst freundlich und hilfsbereit und man wurde schnell mit den gewünschten Informationen - und manchmal auch mehr - versorgt. Irgendwie auch klar, sie wollen uns ja für ihre Spitäler haben. Teilweise lockte der eine oder andere Stand mit - teils mehr, teils weniger nützlichen - Goodies. Aber es soll auch vorgekommen sein, dass sich Leute von Vertretern einer rein neurologisch/psychiatrischen Klinik vollquatschen ließen, nur um danach den ersehnten USB-Stick abzusahnen (Anm.: dies ist natürlich nur eine reine Unterstellung).
Was bei den diversen persönlichen Gesprächen herausgekommen ist kann ich natürlich in diesem Beitrag nicht wiedergeben - dafür kann ich aber eine kurze Zusammenfassung und die Eckpunkte der verschiedenen Vorträge im Hörsaal A niederschreiben.
Begonnen hat die Vortragsreihe mit einem kurzen Überblick über das zu erwartende Programm. Leider habe ich mir den Namen des Moderators nicht gemerkt (er war aber von der Ärztekammer und nannte sich selbst gelegentlich "Zeit-Master", weil er sich ja "um das einhalten der Zeit kümmern müsse"). Weitere Redner waren noch: Dr. Michael Lorenz (Landeskrankenhausgesellschaft Thüringen), Min. Rat Jürgen Hommel (Ministerium für Soziales, Sachsen), Mag. Irene Podest (Internationales Büro, Österreichische Ärztekammer), Dr. Erik Bodendieck (Vizepräsident der sächsischen Landesärztekammer), Mag. Franz Kaiser (docanddoc) sowie drei österreichische Assistenzärzte (1 Wiener, 1 Tiroler, 1 Tirolerin) die gerade ihre Ausbildung zum Facharzt in Thüringen absolvieren.
Es wurde von Seiten der deutschen Kollegen vor allem darauf eingegangen, wie topmodern die Ausstattung der Krankenhäuser in Sachsen und Thüringen ist. Dies wurde dadurch ermöglicht, dass in den letzten Jahren mehrere Milliarden Euro in den Neu- und Ausbau von Krankenhäusern - v.a. in den "Neuen Bundesländern" - gesteckt wurden.
Weiters wurde kurz auf die Entlohnung eingegangen. Da es in Deutschland keine einheitlichen Tarifverträge gibt sollte man, so Dr. Michael Lorenz von der Landeskrankenhausgesellschaft Thüringen, immer explizit nach dem gültigen Tarifvertrag in seinem Wunschkrankenhaus fragen. Als Richtwert für das Monatseinkommen eines Assistenzarztes im 1. Jahr (Entgeltgruppe I / Stufe 1) sind 3.663 ¤ (brutto) anzunehmen.
Ein anderes wichtiges Thema war natürlich auch die Approbation. Hier ging es um das altbekannte und leidige Problem, dass in Österreich die ärztliche Ausbildung nicht mit dem Medizinstudium und dem verliehenen Titel "Dr. med. univ." abgeschlossen ist, sondern erst mit dem "jus practicandi", also der Approbation. Das stellt insofern ein Problem dar, da man dadurch eigentlich erst nach dem Turnus (sei es jetzt der 3-jährige Turnus zum Arzt für Allgemeinmedizin oder die normalerweise mindestens 6-jährige Facharztausbildung) die Berechtigung zur selbständigen Berufsausübung als Arzt bekommt. In Deutschland ist das eben anders, hier bekommt man mit der Ablegung des 2. Abschnitts der ärztlichen Prüfung (was im Normalfall gleichzusetzen ist mit dem Ende des 6-jährigen Medizinstudiums) die Approbation. Lange Rede, kurzer Sinn - auch hier kommen uns unsere Nachbarn entgegen. Zumindest in Sachsen und Thüringen bekommt man, laut Min. Rat Hommel, für die gesamte Dauer der Ausbildungszeit eine Berufserlaubnis, die einen Österreicher ohne deutscher Approbation einem Deutschen mit Approbation quasi gleichstellt. Es wurde extra mehrmals darauf hingewiesen, dass man keinesfalls davor Angst haben muss minderwertiger behandelt zu werden - man darf mit dieser Berufserlaubnis genau das gleiche tun was ein Deutscher mit Approbation tun darf (Anm.: Ausgenommen sind jedoch Notarztdienste, Praxisvertretungen und ähnliches, da sich die Berufserlaubnis nur auf "Arbeiten unter Aufsicht" beschränkt). Allerdings wurde weiters auch empfohlen, dass man seine Ausbildung möglichst in einem Bundesland fertig machen soll. Denn diese Berufserlaubnis gilt immer nur für das jeweilige Bundesland. Wenn man jetzt in ein anderes Bundesland gehen will, um dort seine Ausbildung fertig zu machen, dann muss man auch in diesem Bundesland erneut um eine Berufserlaubnis ansuchen.
Interessant ist vielleicht auch noch, dass durch die EU-Richtlinie 2005/36 EG die meisten deutschen Facharztausbildungen mehr oder minder problemlos in Österreich von der Ärztekammer anerkannt werden. Wenn man allerdings wirklich vor hat den Facharzt in Deutschland zu machen und dann wieder mit dem FA-Titel in der Tasche nach Hause kommen will, sollte man sich trotzdem vorher genau bei der ÖÄK informieren, ob der angestrebte Facharzt dann auch wirklich anerkannt wird. Man weiß ja nie!
Zum Schluss noch kurz die Erfahrungen der drei Assistenzärzte, die in Thüringen zur Zeit ihre Ausbildung machen (Chirurgie, Anästhesie, Innere). Ihre Bewerbungsgespräche hatten alle drei in sehr guter und angenehmer Erinnerung. Man hätte sich schon beim Bewerbungsgespräch sehr um sie gekümmert und die Atmosphäre war eher locker und freundlich. Die Arbeitsbelastung und die abzuleistende Arbeitszeit sind in etwa mit denen in Österreich vergleichbar. Als großen Vorteil sehen die drei, dass man schon viel früher eigenständig Arbeiten darf, dadurch aber auch viel früher mehr Verantwortung übernehmen muss. Bis jetzt hat sich aber noch keiner von ihnen auch nur irgendwann allein oder im Stich gelassen gefühlt. Ganz im Gegenteil. Man könne jederzeit, und wenn es auch noch so oft ist, seine Vorgesetzten um Hilfe und Rat bitten und würde immer freundlich und respektvoll behandelt. Alles in allem bereut keiner von ihnen den Schritt nach Deutschland, in die Neuen Bundesländer gewagt zu haben.
Zusammengefasst brachten die Vorträge also keine neuen Erkenntnisse. War ehrlich gesagt auch nicht zu erwarten. Wer vorher nichts über diese Materie wusste, ist jetzt auch nicht schlauer. Übrigens, wer vorher schon Ahnung hatte weiß jetzt auch genausoviel wie vorher. Allerdings muss man das Event dennoch als gelungen einstufen, da denjenigen, die Interesse an einer medizinischen Weiterbildung bei unseren deutschen Nachbarn haben, die Möglichkeit geboten wurde direkt mit Vertretern von mehreren Krankenhäusern in Sachsen & Thüringen zu sprechen.
Vielleicht ist ja auch schon der eine oder die andere mit einem (Vor-)Vertrag in der Tasche von dieser Informationsveranstaltung nach Hause spaziert - wer weiß!?!?
Andreas Rozenits
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